
LIPSIA-STRATEGY-Studie: Drahtlose FFR-Messung für effizientere und schonendere Herzkatheter-Untersuchungen
Herzkatheter-Untersuchungen bei Patient:innen mit verengten Herzkranzgefäßen könnten künftig deutlich schneller, sicherer und komfortabler durchgeführt werden. Die LIPSIA-STRATEGY-Studie untersucht erstmals umfassend, ob die klassische invasive Fractional Flow Reserve (FFR)-Messung durch eine bildbasierte, drahtlose Variante (vFFR, vessel Fractional Flow Reserve) ersetzt werden kann, ohne klinische Genauigkeit oder Patientensicherheit zu verlieren.
Bei verengten Koronararterien stellt sich oft die entscheidende Frage: Ist eine Stent-Implantation notwendig oder nicht?
Die invasive FFR-Messung gilt bislang als Goldstandard: Ein dünner Druckdraht wird in das Gefäß eingeführt, um den Blutfluss hinter der Engstelle exakt zu messen. Obwohl diese Methode sehr zuverlässig ist, bedeutet sie zusätzlichen Aufwand: längere Untersuchungszeiten, mehr Materialeinsatz und medikamentöse Belastung für die Patient:innen.
Die vFFR-Methode bietet die Möglichkeit, den gleichen Blutflusswert direkt aus den standardmäßigen Herzkatheter-Bildern zu berechnen, komplett ohne zusätzlichen Draht. Dies reduziert den Eingriff erheblich und eröffnet Potenzial für effizientere Abläufe im Katheterlabor.
Studiendesign
Die LIPSIA-STRATEGY-Studie ist eine randomisierte, multizentrische Untersuchung, in der insgesamt 1.054 Patient:innen mit stabiler oder akuter koronarer Herzkrankheit eingeschlossen wurden.
- Vergleich: Bildbasierte drahtlose vFFR gegen klassische invasive FFR-Messung
- Primärer Endpunkt: Nachweis der gleichen Patientensicherheit wie beim Standardverfahren innerhalb von 1 Jahr
- Sekundäre Endpunkte:
- Auftreten schwerer Herzereignisse nach 2 und 5 Jahren
- Auswertung von Herztod, Herzinfarkt und Folgeeingriffen nach 1, 2 und 5 Jahren
- Häufigkeit von Gefäßaufdehnungen oder Bypässen nach 1, 2 und 5 Jahren
- Allgemeine Überlebensrate nach 1, 2 und 5 Jahren
- Häufigkeit von nötigen Strategiewechseln während des Eingriffs
- Anzahl der erfolgreich auswertbaren Gefäßverengungen in beiden Gruppen
Einschlusskriterien
- Patienten mit stabiler oder akuter koronarer Herzkrankheit
- Visuell festgestellte, mittelschwere Gefäßverengung (40–90 %)
- Indikation für eine Herzkatheter-Untersuchung
- Zustimmung zur Studienteilnahme
Ausschlusskriterien
- Vorherige Bypass-Operationen am betroffenen Gefäß
- Komplett verschlossene, stark verkalkte oder geschlängelte Gefäße
- Akute Kreislaufschocksituationen oder schwere Herzklappenfehler
- Unverträglichkeit von Medikamenten zur Blutflusssteigerung
- Eine Lebenserwartung von weniger als 12 Monaten
- Schwangerschaft
- Teilnahme an anderen Interventionsstudien
Die LIPSIA-STRATEGY-Studie adressiert einen zentralen Aspekt der interventionellen Kardiologie: Präzise, sichere Diagnostik bei gleichzeitiger Minimierung des Eingriffsrisikos und der Belastung für Patient:innen:
- Kürzere Untersuchungszeit: Schnellere Berechnung direkt aus den vorhandenen Bildern ohne zeitaufwendige Zusatzmessungen
- Schonenderer Eingriff: Kein Einführen eines zusätzlichen, invasiven Druckdrahts in das Herzkranzgefäß notwendig
- Keine Medikamenten-Nebenwirkungen: Verzicht auf zusätzliche Medikamente zur künstlichen Blutflusssteigerung
- Höherer Patientenkomfort: Spürbar angenehmere Untersuchung durch den Wegfall von Messdraht und Belastungsmedikamenten
- Schnellere Abläufe: Rasche Beurteilung der Engstellen direkt während der laufenden Herzkatheter-Untersuchung
Sollte sich die vFFR-Methode als gleichwertig zur klassischen FFR-Messung erweisen, könnte dies die Standardversorgung bei Herzkatheter-Untersuchungen entscheidend verändern und den Weg zu digital gestützten, schnelleren und schonenderen Verfahren ebnen.
Weitere Informationen und das Studienprotokoll: https://www.leipzig-heart.de/lipsia-strategy/

